(Matthäus 13,33)

Der Sauerteig entsteht durch spontane Gährung, indem man
Roggenmehl, Alkohol (Schnaps), Wasser und Kümmel zusammen-
rührt und an einem warmen Ort zugedeckt stehen lässt.

Nach ca. zwei Tagen reagiert die Masse – durch Bakterien aus der Luft angereichert – und man muss wieder etwas warmes Wasser und Mehl zugeben, um den Bakterien Nahrung zum Arbeiten zu geben. Dieser Vorgang wird ca. dreimal wiederholt, bis der Teig leichte Blasen bildet. Nun hat man ein „Anstellgut” und bereitet
daraus den „Grundsauer“, den „Vollsauer” und dann den Teig. Vom Vollsauer nimmt man vor Bereitung des Teigs eine kleine Menge wieder als Anstellgut für den nächsten Backprozess ab. Die Steuerung des Prozesses gelingt über Festigkeit und Wärme und erforden natürlich Fachwissen und Erfahrung.

Ein guter Sauerteig lebt, ist würzig im Geschmack, bestehtzu ca. 80/85 %
Milchsäure und zu 15/20 % Essigsäure. Beim Vergären entsteht Koh-
lensäure (CO1), welche den Teig lockert. Roggenmehl ohne Sauerteig
ist nicht backfähig. Ein guter Sauerteig ist also für die Lockerung des
Teiges, vor allem aber für den Geschmack zuständig. Sauerteig ist wohl
das älteste Lockerungs- und Triebmittel und schon bei den alten Ägyp-
tern bekannt gewesen.

Durch den Sauerteig erhält das Brot eine Grundsäure und wird dadurch
länger haltbar, d.h. die Schimmelsporen werden länger dem Brot
ferngehalten, was natürlich in warmen Ländern besonders wichtig ist.
Deshalb wurden auch Fladenbrote gebacken, weil diese einen größeren
Krustenanteil hatten. In der Bibel lesen wir vom Auszug der lsraeliten und
von den ungesäuerten Broten. Hier war keine Zeit mehr, um den Sauerteig
anzusetzen (2. Mose 12,1ff).

Sauerteig kann man auch für Weizenbrote als Geschmacksträger zusetzen.
Es wird nur ein kleiner Teil vom Sauerteig zugesetzt – 5 bis 7% – die nach
Mehlart und gewünschter Säuerung, weil ein wenig Sauerteig den ganzen
Teig durchsäuert. Dies war in Israel in jedem Haus bekannt, buken die Frauen
doch täglich, um ihre Familien zu ernähren.

Und hier setzt Jesus mit seinem Gleichnis an: ln Matthäus 13,33 vergleicht er
das Reich Gottes mit einem Sauerteig. Er will seine Jünger und auch uns mit
Zuversicht stärken. Wir brauchen nicht verzagen, auch wenn wir meinen, unsere
Arbeit im CVJM oder in der Gemeinde trägt keine Früchte. Auch wenn wir ganz
wenig von der äußeren Macht des Reiches Gottes sehen; im Verborgenen wird
doch alles zur herrlichen Vollendung kommen, so unscheinbar auch die Anfänge
manchmal sind.

Gottes Kraft wirkt wie bei einem Sauerteig: ist einmal ein Mehl mit Sauerteig
versetzt, lässt sich der Prozess nicht mehr rückgängig machen. Und so dürfen
auch wir glauben, dass Gott einmal den Sieg über alle Gottlosigkeit, alles Elend
und das Böse auf dieser Welt gewinnen wird. „Ihr werdet meine Zeugen sein“
(Apg.1,8) sagt Jesus zu seinen Jüngern und uns.

Er ist sich so sicher, weil er weiß, wer glaubt, wird mit Gottes Geist ausgerüstet
und kann gar nicht anders, als diese froh machende Botschaft weitersagen –
eben wie beim Sauerteig.

 

 

Berthold Streib

l. Vorsitzender der CBKV
(Christliche Bäcker- und Konditonıereinigung
Landesverband Württemberg)